Inv. Nr.: G 81
Datierung: Kypro-klassisch (Mitte bis 2. Hälfte 5. Jh. v. Chr.)
Größe: H 20, 1 cm, B 10, 7 cm, T 4, 8 cm
Material: Kalkstein
Fundort: laut Inventarbuch: Idalion auf Zypern

  • Kourotrophos-Statuette Vorderansicht
  • Kourotrophos-Statuette Rückansicht
  • Kourotrophos-Statuette Seitenansicht
  • Kourotrophos-Statuette Seitenansicht

Die Kourotrophos kam im Jahre 1870 als Tausch vom Landesmuseum Joanneum in die Archäologischen Sammlungen, das im Inventarbuch vermerkte Erwerbsdatum 1862 bezieht sich wohl auf den Ankauf der Skulpturen aus der Sammlung des Botanikers und Zypern-Reisenden Franz Unger. Dieser erwarb 1862 an die 80 Kalksteinskulpturen in Larnaka und gab sie dem Joanneum weiter. Etwa die Hälfte des Konvoluts, nämlich 41 Stück inklusive der Fragmente, besteht aus Kourotrophoi.
Die Statuette weist leichte Beschädigungen auf, so ist die rechte Seite ab den Knien abwärts abgebrochen, ebenso die rechte Seite der Thronlehne. Auch die linke Thronlehne am oberen Abschluss und die linke untere Ecke an der Rückseite sind beschlagen. Die Oberfläche ist verwaschen und weist einige Kratzer auf. Nase und Mund sind verrieben. Farbspuren sind heute nicht mehr sichtbar.
Die Sitzende trägt Himation und Mantel, der als Schleier über den Kopf gezogen ist. Die beiden Mantelsäume sind am Oberkörper durch eine vertikale Ritzung angegeben. Das flach auf den Knien liegende Kind ist durch eine horizontale Ritzung unterhalb der Knie der Sitzenden abgehoben. Das Gewand der Sitzenden ist sonst nicht weiter strukturiert. Die Füße der Figur sind in Schuhe gekleidet und ruhen in einer leicht geöffneten Stellung auf einer schräg nach unten abfallenden Fläche.
Das ovale Gesicht wird durch gewölbte Wangen und mandelförmige, glatte Augen mit leicht nach unten fallenden äußeren Augenwinkeln strukturiert. Unter dem Schleier sind gesträhnte Haare sichtbar. Das Kind liegt flach auf den Knien der Sitzenden und blickt mit aufrechtem Kopf und Haube den Betrachter fast frontal an.
Die Kourotrophos kann durch Vergleiche in die Mitte des 5. Jhs. v. Chr. datiert werden.
Die Statuette gehört in die Gattung von sitzenden weiblichen Figuren mit einem Wickelkind auf dem Schoß, die als Kourotrophoi bezeichnet werden. Solche Statuetten waren Votivgaben für eine weibliche Gottheit, die für Fruchtbarkeit, glückliche Fortpflanzung, für das Wachstum und den Schutz der Kinder zuständig war.
Kourotrophoi aus Kalkstein wurden in Zypern ab dem 6. Jh. bis in den frühen Hellenismus hergestellt. Sie wurden meist in Heiligtümern weiblicher Gottheiten geweiht, etwa in Chytroi, Golgoi, Idalion, Achna, Kition, Amathus und Paphos, im Fall von Lefkoniko auch in einem Heiligtum für eine männliche Gottheit. Ihre westlichsten Vertreterinnen wurden in Amathus und Paphos gefunden, das hauptsächliche Verbreitungsgebiet deckt sich mit dem Vorkommen des hellen und sehr formbaren Kalksteins der Mesaoria-Ebene, der auch für andere Skulpturengattungen verwendet wurde.
Die sitzenden Kalksteinkourotrophoi des frühen 6. Jhs. entstanden vielleicht unter dem Einfluss ägyptischer Darstellungen von Isis-Hathor mit dem Horusknaben, wenngleich es Kourotrophoi auf Zypern bereits in der Bronzezeit gab oder eventuell auch der Typus einer sitzenden Gottheit nordsyrischer Herkunft für diesen Zweck adaptiert worden war.

(G.K.)

Literatur

G. Koiner, Aphrodite Kourotrophos in den Archäologischen Sammlungen der Universität Graz, in: Potnia Theron. Festschrift für Gerda Schwarz zum 65. Geburtstag (Wien 2007) 173-180
Vergleiche:
A. Hermary, Catalogue des Antiquités de Chypre. Sculptures, Musée du Louvre. Département des antiquités orientales (Paris 1989) 419-438 Kat. 849-904
S. Karl - D. Modl - B. Porod (Hrsg.), Archäologiemuseum Schloss Eggenberg. Katalog, Schild von Steier 22, 2009, 26-32 Kat. 104-139; 34 Kat. 154-155

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