Inv. Nr.: G 209
Datierung: Spätkyprisch II (ca. 1450-1200 v. Chr.), White Slip II
Größe: H 15 cm
Material: Keramik
Fundort: "Cypern", Ankauf 1940

  • Humpen oder Krug der White Slip Ware
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  • Humpen oder Krug der White Slip Ware
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  • Humpen oder Krug der White Slip Ware
  • Humpen oder Krug der White Slip Ware

Der Krug oder Humpen besteht aus einem kurzen Bauch und einem hohen, sehr breiten, leicht konkaven Hals mit ausschwingender Mündung. Ein vertikaler Bandhenkel verbindet Mündungsrand und Schulter. Das Gefäß besitzt einen Standring, der zu zwei Dritteln ergänzt ist. Moderne Ergänzungen finden sich auch am Henkelansatz bei der Mündung. Die Oberfläche ist wahrscheinlich durch eine Restaurierung stark in Mitleidenschaft gezogen, die Bemalung wurde durch Abziehen der Oberfläche, an der heute gipsartige Ablagerungen sichtbar sind, teilweise entfernt. Am Hals, am Mündungsrand und im Inneren des Gefäßes sind rötliche Ablagerungen feststellbar.
Der graue Scherben ist mit hellem, matten Schlicker überzogen und mit braunem, matten Dekor verziert. Rauten, abwechselnd mit gegitterten Rauten sind vertikal und horizontal angebracht. Die Schulter wird durch ein horizontales, gegittertes Rautenband abgesetzt, der Bauch durch vertikale gegitterte Rautenbänder betont, zwischen die einfache, gekreuzte Rautenbänder gesetzt sind. Am Hals wechseln sich doppelte gegitterte und einfache Rautenbänder ab. Die Mitte des Halses ist durch ein horizontales einfaches Rautenband markiert. An der Henkeloberseite befindet sich in der Mitte und an den Außenkanten jeweils ein längs verlaufendes Band. Am Mündungsrand sind nach innen regelmäßig Partien von parallelen vertikalen Strichen angebracht, mit jeweils vier geraden Begrenzungsstrichen, die unterbrochene oder kürzere Striche in der Mitte flankieren. Am Gefäßboden befinden sich innerhalb des Standrings eine umlaufende kreisförmige Linie und ein Linienkreuz, das über die Ringlinie auf den Standring hinausläuft.
Die White Slip Ware gehört wie die Base Ring Ware zu den dominierenden Keramikgattungen der Spätbronzezeit in Zypern (1450-1050 v. Chr.). Charakteristische Formen waren die halbkugelige Schale (engl. milk bowl), die oft mit einem wishbone oder Gabelbein-Henkel versehen war, und der Krug oder Humpen, engl. tankard.
Die Gefäße bestechen durch den harten, dunklen, wasserundurchlässigen Scherben und den hellen Überzug und waren für Flüssigkeiten gemacht: die Schale zum Trinken, der Humpen vielleicht für Wasser oder Wein bei Tisch. Der fischschwanzartige, abstehende Ansatz beim Henkel hat vielleicht das Ausgießen erleichtert, indem man den Daumen auf den Ansatz gedrückt hat und die Flüssigkeit besser kontrollieren konnte. Man vergleiche etwa den Ansatz heutiger Bierkrugdeckel. Ein ähnliches Formenrepertoire ist in der gleichzeitigen Base Ring Ware festzustellen. Die Bemalung ist in matt-braun gehalten, und die Muster bestehen aus parallelen Linien und Rauten, die häufig gegittert sind. Die Dekoration ähnelt Stickereien oder Lederarbeiten und wird in der Forschung manchmal von solchen abgeleitet. Diese Ware erfreute sich auch außerhalb Zyperns als Tafelgeschirr großer Beliebtheit und ist in der Levante, in Ägypten und in der Ägäis (Rhodos, Thera, Kreta) zu finden.

(G.K.)

Literatur

CVA  Italia, Regio Museo Archeologico di Firenze (1) Taf. 4, 5
V. Karageorghis, L' art Chypriote antique au Musée de la Fondation Piéridés / Antike Kunst auf Zypern im Museum der Pierides-Stiftung  (Larnaca 1985) Kat. 110
Ch. Souyoudzoglou-Haywood, Cypriot antiquities in Dublin: the collections of the National Museum of Ireland and University College Dublin (Nicosia 2004) Kat. 59

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