Inv. Nr.: G 57
Datierung: Spätkyprisch I-II (ca. 1600-1200 v. Chr.), Base-ring Ware I-II
Größe: H 6 cm
Material: Keramik
Fundort: unbekannt, Ankauf zwischen 1875 und 1910

  • Teil eines Doppelgefäßes
  • Teil eines Doppelgefäßes
  • Teil eines Doppelgefäßes

Das handgeformte Gefäß besitzt einen kugeligen Körper mit abgesetztem, sich nach unten kegelförmig verbreiterndem Fuß. Auf dem Körper befinden sich auf einer Seite zwei plastische, vertikal verlaufende Rippen, auf der anderen Seite der Ansatz eines ehemals vertikal verlaufenden Henkels. Zwischen der Verzierung und dem Henkelansatz ist eine große Abplatzung zu sehen, die die Kontaktfläche eines zweiten angesetzten, heute verlorenen Gefäßes markiert. Der Hals ist abgebrochen und ist anhand vollständiger Gefäße als lang, schlank und mit trichterförmig ausladender Mündung zu rekonstruieren. Der Scherben ist grau, die Oberfläche braun glänzend.
Das Gefäß gehört zur Base Ring Ware, die gemeinsam mit der White Slip Ware die Keramiklandschaft der Spätbronzezeit auf Zypern dominierte. Diese Ware zeichnet sich durch ihren harten Ton und die metallisch wirkende Oberfläche aus, die durch Politur entsteht. Das Formenrepertoire besteht vor allem aus geschlossenen Gefäßen mit langen, schlanken Hälsen, bedingt durch die Funktion dieser Gefäße, nämlich dem Transport von Flüssigkeiten. Bilbils wurden auch exportiert, so etwa nach Ägypten, in die Levante und in die Ägäis. Dreht man ein solches Gefäß um, sieht man die Ähnlichkeit mit einer Pflanze. Robert Merrillees hat darauf hingewiesen, dass diese Gefäßform eine Mohnkapsel wiedergibt und daher auch Opium (aus der Kapsel des Schlafmohns, Papaver somniferum) in diesen Gefäßen transportiert wurde. Tatsächlich hat man vor ein paar Jahren diese Substanz in einem solchen Bilbil im Martin-von Wagner-Museum von Würzburg nachweisen können.
Die vertikalen Linien könnten Schlitze darstellen, aus denen der Milchsaft der Mohnkapsel floss und aufgefangen wurde. Auch die Horizontalbänder um den Hals könnten auf dieses pflanzliche Vorbild zurückgehen. Es werden für diese Ringe aber auch Metallvorbilder vermutet.

(G.K.)

Literatur

 P. Aström, The Late Cypriote Bronze Age. Architecture and Pottery, SCE IV 1C (1972) 168 Abb. 49, 8
CVA Great Britain, British Museum (1), Taf. 9, 19. 21. 24. 26
K. Koschel, Opium Alkaloids in a Cypriote Base Ring I Vessel (Bilbil) of the Middle Bronze Age from Egypt, Ägypten und Levante 6, 1996, 159-166

Themen > Zypern - Das Lächeln der Aphrodite