Inv. Nr.: D 80
Datierung: Ende des 5. Jh. v. Chr.
Größe: 1,19 m
Original: Marmor
Museumsstandort: Istanbul, Nationalmuseum 

  • Herme Gesamtansicht
  • Kopf Detailansicht
  • Kopf Seitenansicht

Hermen waren Kultsteine in Pfeilerform mit ausgearbeitetem Kopf und angesetzten Phallus, teilweise besaßen sie auch noch Armansätze an den Seiten. Zu Beginn ihrer Entstehung zeigten sie nur Hermes, den Gott der Reisenden und Diebe. Sie dienten daher als Kultobjekte, sollten aber auch Schutz vor Dieben bieten. Zur Abgrenzung des öffentlichen vom privaten Raum oder an Wegkreuzungen wurden sie aufgestellt, um den Segen des Gottes für die Reise zu erbitten. Mit der Zeit werden auch andere Götter oder Göttinen in dieser Form dargestellt und es kommt ebenfalls zur Verwendung der Hermen in Verbindung mit Portätköpfen bekannter Persönlichkeiten, wobei hier der kultische Faktor nicht mehr vorhanden ist. Die Herme des Alkamenes ist allerdings eine des ursprünglichen Typus, sie stellt also den Gott Hermes dar. Seit archaischer Zeit wurde dieser Gott nach einem festen (künstlerischen) Schema dargestellt, wie auch die hier zu sehende Frisur ein Rückgriff auf die Mode dieser Zeit ist: das in drei Reihen, zu Buckellöckchen gedrehte Stirnhaar, wie zu einem Diadem drapiert, zudem die beiden dicken, an den beiden Kopfseiten herunterfallenden Strähnen. Auch Gesicht und Bart wirken sehr streng, typisch für einen archaisierenden Stil.
Eine Inschrift auf der Vorderseite des Pfeilers besagt, dass Alkamenes den Hermes gearbeitet hat und die Statue vor den Toren Pergamons aufgestellt war.  Daher kennen wir den Namen des Bildhauers, der von 440 bis 400 v. Chr. seine Schaffenszeit hatte.

Ri.M.

 

Literatur

J. Boardman, Griechische Plastik. Die spätklassische Zeit (Mainz 1998) 94f.
RE VIII (1913) 696 - 708 s.v. Hermai (S. Eitrem)
W. Altmann, Die Arbeiten zu Pergamon 1902-1903. Die Einzelfunde, AM 29, 1904, 179-186

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