Die alten Griechen wussten Feste zu  feiern, bereits in archaischer Zeit wurden Symposien abgehalten. Dabei wurde nicht nur getrunken, gegessen, musiziert, diskutiert und gestritten, sondern auch die Götter verehrt. Als Gott der Ekstase und des Weins wurde dabei besonders gern des Dionysos gedacht.

Hermes mit dem Dionysosknaben

Um seine Herkunft ranken sich mehrere Mythen. Eine Legende erzählt vom Sohn des Göttervaters Zeus und der sterblichen Semele. Diese starb noch vor der Geburt ihres Sohnes Dionysos, nachdem die eifersüchtige Hera ihr geraten hatte, sie solle Zeus bitten, sich ihr in seiner wahren Gestalt zu zeigen. Als sich dieser vor Semele in den Blitz verwandelte, verbrannte diese an seinem Anblick. Daraufhin nähte Zeus das Ungeborene in seinen Oberschenkel ein, um es selbst auszutragen und anschließend zu gebären. Um den neugeborenen Dionysos nun wiederum vor der Eifersucht der Hera zu schützen, übergab er ihn dem Hermes, welcher ihn zu den Nymphen nach Nysa brachte, von denen er schließlich aufgezogen wurde.
Die Gruppe des Künstlers Praxiteles zeigt Hermes mit dem Dionysoskind auf dem linken Arm. In seiner rechten Hand hielt er ursprünglich Weintrauben, nach denen der Knabe seine Arme ausstreckt und die ihn als Gott Dionysos ausweisen.

Das Hauptfest des Dionysos in Attika waren die großen Dionysien bzw. städtischen Dionysien, die nach unserem Kalender jährlich im März bis Anfang April in Athen gefeiert wurden.
Die zumindest in der Zeit des Perikles sieben Tage andauernden Festlichkeiten darf man sich nicht als trockene Kultfeier vorstellen. Hierzu bekommen wir Auskunft von Philochorus (FGrH I s.v. Philochorus Frg. 159): „An den Dionysia gingen die Athener ins Theater, nachdem sie gegessen und getrunken hatten. Beim Zuschauen trugen sie Kränze. Während des ganzen Festes wurde ihnen Wein ausgeschenkt und „Knabberzeug“ angeboten. Auch den Chören reichte man zum Auftritt zu trinken und wenn sie nach ihrem Auftritt die Bühne verließen, reichte man ihnen wieder zu trinken…“
Die Tragödien fingen bei Sonnenaufgang an, demgegenüber wurden die Komödien am Abend aufgeführt.

Komödiendichter Relief

Die Komödiendichter stellen in ihren Stücken bestimmte Personentypen dar oder bringen bestimmte Personentypen auf die Bühne, um das Publikum zum Lachen zu bringen. Bedeutendster Vertreter der Neuen Komödie ist Menander (ca. 342-291 v. Chr.).
Das sog. Menander-Relief könnte den gefeierten Dichter bei der Betrachtung von Theatermasken und damit den Vorgang und die Inspiration des Dichtens im Allgemeinen zeigen. In der Antike galten alle Arten geistiger Tätigkeiten als göttliche Gaben, welche von den Musen vermittelt wurden. Darum ist auf diesem Relief die Darstellung des Dichters mit "seiner" Muse zu sehen. Auch  Weihgeschenke für die Musen und eine Schriftrolle auf einem Lesepult sind abgebildet.

Bei den antiken Aufführungen im Theater, die eben zu Ehren des Dionysos veranstaltet wurden, war der Gott als Gestalt eines Kultbildes anwesend.
An den Festtagen versammelten sich Tausende im Theater, um den Darbietungen zu lauschen und sich den Emotionen von Schmerz und Freude hinzugeben.

Weihrelief für Dionysos

Oft wurden nach solchen Aufführungen auch Weihgaben geopfert, wie z.B. dieses Relief, welches von Schauspielern, nach einer szenischen Darbietung von Euripides Tragödie Bacchae. In der rechten Ecke des Reliefs lagert Dionysos auf einer Kline (Speisesofa). In seiner rechten Hand hält er ein Rhyton (trichterförmiges Spende- und Trinkgefäß) und in seiner Linken eine Schale. Vor ihm, am Ende der Kline, sitzt eine weibliche Figur. Die linke Hälfte des Reliefs wird eingenommen von drei Schauspielern, die vor Dionysos hintreten. In ihren Händen halten sie Tympana (Handtrommeln) und Masken, mit denen sie in den Theateraufführungen auftraten.

Zu solchen Anlässen hielt man auch Symposien ab, Zusammenkünfte von Männern, bei denen rhetorische Wettstreite und geistreiche Unterhaltungen geführt, aber auch Gesang und Musik bei Wein und Essen dargeboten wurden.
Begleitet wurden diese Feierlichkeiten nicht nur von sog. Hetären, Frauen, welche zusätzlich zur Zerstreuung auch für ganz spezielle Dienste zur Verfügung standen, sondern auch von jungen Sklaven, die ihre Herrschaften mit Speis und Trank verwöhnten. Bildliche und plastische Darstellungen zeigen oft im Zusammenhang mit diesen Gelagen mythische Gestalten, die auch im Gefolge des Dionysos zugegen waren, wie Mänaden oder Satyrn.

Einschenkender Satyr

Von allen erhaltenen Satyrstatuen, die der Bildhauer Praxiteles Zeit seines Lebens geschaffen hat, sticht eine Plastik hervor, die für viele Betrachter die schönste von allen ist. Es handelt sich um die Darstellung eines jugendlichen Satyrs, der aus einem Krug in der hoch erhobenen rechten Hand Wein in ein Trinkhorn oder eine Trinkschale gießt.
Satyrn werden in der griechischen Mythologie im Gegensatz zu unserer Skulptur oft als besonders wollüstige und hässliche Wesen beschrieben.

Wein wurde von weit her transportiert und auch weit über alle Lande gehandelt. In den Regionen wurden verschiedene Sorten von Weintrauben angebaut, und so ergab sich ein reger Handel mit besonderen Weinsorten. Riesige Transportamphoren beförderten jeweils bis zu 90 Liter Wein, diese wurden auf den Handelsschiffen überall hingebracht. In der antiken Welt wusste man den Wein, allerdings mit Wasser verdünnt, zu genießen und zu würdigen.

Transportamphore

Die Amphora ist ein zweihenkeliges, bauchiges Vorrats- und Transportgefäß mit einem engen Hals. Durch die dünne Mündung konnten die Gefäße verkorkt und mit Gips oder Pech verschlossen werden. Die fünf Transportamphoren unseres Museums sind alle ohne Standfläche. Diese unten spitz gebildeten Weinamphoren wurden, wie pompeianische Funde zeigen, an die Wand gelehnt oder im Boden eingegraben. Beim Schiffstransport wurden die Transportamphoren in ein Gestell eingepasst und mit Seilen aufgehängt. Häufig wurden sie als Einwegbehälter nach dem Transport weggeworfen. Besondere Weinamphoren wurden vor dem Brand zur Beglaubigung der Herkunft und des Herstellers gestempelt und trugen die Bezeichnung der Sorte und des Jahrgangs.

Wein floss bei den Festen in Strömen und wurde in speziellen Gefäßen gereicht.  

Skyphos

Der  Skyphos (ein großer Becher) war das gebräuchlichste Trinkgefäß der Griechen. Er besitzt zwei hufeisenförmige Henkel und wird manchmal auch als Kotyle bezeichnet. Der hier in der Sammlung befindliche Skyphos fasst rund 2,5 Liter, es sind aber Gefäße mit bis zu 8 Liter Fassungsvermögen bekannt. Wie viele andere Becher wurde auch dieser Skyphos dekoriert. Er war jedoch auf Grund seiner Form unter den Malern nicht sehr beliebt, doch gab es einige Meister, die sich trotzdem auf die Dekoration von Skyphoi spezialisiert hatten. Die beiden Bilder auf Vorder- und Rückseite zeigen einen Lyra tragenden Jüngling, der eine Hetäre erwartet, welche ihn zu einem Symposium begleitet.

Trinkschale

Auf dem Tondo (Innenbild) der Schale ist ein nackter Athlet beim Weitsprung zu sehen, der sich mit beiden Armen nach vorne beugt. In seinen Händen hält er sog. Haltere (Sprunggewichte). Der grüne Kranz auf seiner Stirn weist darauf hin, dass er voraussichtlich gewinnen wird. Springen war eine der fünf athletischen Disziplinen im Pentathlon, gefolgt von Speer- und Diskuswurf, Weitsprung, Laufen und Ringen.

Wein ist seit über 8000 Jahren bekannt und Teil des menschlichen Lebens. Antiken Quellen kann man entnehmen, dass Wein nicht so genossen wurde, wie wir das heute kennen. Der Gewürzwein wurde von den Griechen mit viel Wasser verdünnt getrunken. Antike Rezepte sagen uns außerdem, dass dieser verdünnte Wein überdies mit Honig gesüßt wurde und auch Beigaben von Kräutern, wie Koriander, Lorbeer und Zimt enthielt:
„[…] Gib in einen kupfernen Kessel 2 Sextarien Wein und 15 Sextarien Honig, lasse dies auf gelindem Feuer unter Umrühren mit einem Rutenbesen sich mischen und heiß werden. […] Nun füge 4 Unzen geriebenen Pfeffer, 3 Skrupel Pistazienharz, je eine Drachme Nardenblätter und Safran und 5 Drachmen geriebene geröstete Dattelkerne, die in Wein solange eingeweicht sind, bis sie sich leicht verarbeiten lassen, hinzu. […]“ (Gavius Apicius, Kochbuch der altrömischen Kaiserzeit, Erstes Buch 1-9)
Wein war nicht nur ein Genussmittel für jeden Anlass, sondern wurde als Grundnahrungsmittel angesehen.

Kolonettenkrater

Der Krater war das typische Mischgefäß für den Wein in der Antike und gehörte somit ebenso zur Ausstattung eines Symposions wie Schöpf-, Gieß- und Trinkgefäße. Der Kolonettenkrater unserer Sammlung gehört zu den ältesten erhaltenen Gefäßen dieser Art. Der Kolonettenkrater, eine korinthische Erfindung des 7. Jh. v. Chr., ist ein bauchiges Gefäß mit kurzem Hals und einer flachen Mündung. Die Henkel, die durch rechteckige Henkelplatten mit der Mündung verbunden sind, geben dem Gefäß den Namen. Neben dem Kolonettenkrater gab es noch den Voluten-, Kelch- und Glockenkrater.

Musik spielte in Griechenland eine große Rolle, nicht nur bei Theateraufführungen und Symposien. Schon der große Philosoph Platon berichtete über Musik als wesentliches Element zur Bewusstseinsbildung des Menschen:
„[…] Darum ist die Musik der wichtigste Teil der Erziehung. Rhythmen und Töne dringen am tiefsten in die Seele und erschüttern sie am gewaltigsten. Sie machen bei richtiger Erziehung den Menschen gut, andernfalls schlecht. […]“ (Plat. polit. 398c- 400c)
Wie antike Musik geklungen hat, ist rein spekulativ. Auch wenn wenige schriftliche Fragmente erhalten geblieben sind, wissen wir doch nicht viel über die Musizierpraxis. Bildliche Quellen für Musikinstrumente sind z.B. Vasen und Figuren, aber auch auf Reliefs und anderen Artefakten wurden Musikinstrumente dargestellt.

Tympanonspielerin

Die Figurenvase in Form einer Tympanonspielerin könnte eine Mänade aus dem Gefolge des Dionysos darstellen. Der zügellose Kult des Dionysos machte vor allem die Frauen "verrückt". Die Mänaden feierten gemeinsam mit Satyrn in rauschenden Festen ihren Gott.
Das Tympanon war ein beliebtes Musikinstrument, welches neben Flöten und anderen Instrumenten, nicht nur bei den Umzügen, sondern auch bei Symposien verwendet wurde. Auch bei Theateraufführungen kam das Instrument regelmäßig zum Einsatz, wie uns bereits das Weihrelief an Dionysos gezeigt hat. 
Das  Terrakottagefäß  wirft die Frage auf, ob dieses Objekt eine Fälschung oder ein Original ist - waren antike Koroplasten (Töpfer) in der Lage solch eine Figur herzustellen? Zur Verfügung standen den Künstlern nur grobe Matrizen und Öfen, mit denen man ein Figurengefäß von mindestens 5 mm Dicke herstellen konnte. Die Tympanonspielerin aus unserer Sammlung ist an der Vorderseite kaum 2 mm dick. Allerdings könnte die für sie verwendete Matrize schon zu oft verwendet und deshalb verbogen und verbeult benutzt worden sein, was wiederum für ihren originalen Charakter sprechen könnte. 

Die Abhaltung von Symposien und  Festen war Jahrhunderte lang ein wichtiger Teil der antiken Welt. Bereits in den homerischen Epen lassen sich Anklänge an Zusammenkünfte von Männern und Symposien herauslesen und auch schon in der spätgeometrischen Epoche der Vasenmalerei (um 740/730 v. Chr.) wurden vereinzelt Symposien dargestellt. Ab 600 v. Chr. gehörten Symposien zu den beliebtesten Darstellungen auf griechischen Vasen, die uns auch einen Einblick in den Ablauf erlauben. Aber auch schriftliche Quellen überliefern uns nicht nur die Regeln zum Ablauf des Symposions, sondern beschreiben auch Symposien selber. Die berühmtesten dieser Werke sind Xenophons „Gastmahl“ und Platons „Symposion“, derselbe überliefert uns auch die Vorschriften für Symposionsfeiern in seinen „Nomoi“ („Gesetze“).
Aufführungen von Tragödie und Komödie waren nicht nur einer der großen kulturellen Höhepunkte des Jahres, sondern waren deshalb so bedeutend, weil sie Teil des Kultes waren und so der Besuch im Theater zur religiösen Kultpraxis gehörte. 
Die Kultur der griechischen Aristokratie war aber ebenso geprägt von Genuss, gutem Wein und Essen.

(S.B. - A.G. - F.M. - O.P.)

Literatur

T. Bakir, Der Kolonettenkrater in Korinth und Attika zwischen 625 und 550 v. Chr. (Würzburg 1974)
M. Bieber, The History of Greek and Roman Theater (New Jersey 1961)
C. Blümel, Griechische Bildhauerarbeit (Berlin 1927)
J. Boardman, Griechische Plastik. Die spätklassische Zeit (Mainz 1998)
E. Christof, Zeugnisse antiker Koroplastik. Griechische figürliche Terrakotten aus der Sammlung des Instituts für Klassische Archäologie der Karl-Franzens-Universität Graz, ungedruckte Diplomarbeit (Graz 1993)
DNP I (1996) 625-626 s.v. Amphora (H. Cancik – H. Schneider)
W. Fuchs, Die Skulptur der Griechen4 (München 1993)
T. Hölscher, Klassische Archäologie. Grundwissen (Stuttgart 2002)
N. Kaltsas, Sculpture in the National Archaeological Museum, Athens (Los Angeles 2002)
M. Lehner - T. Lorenz - G. Schwarz (Hrsg), Griechische und italische Vasen aus der Sammlung des Instituts für Klassische Archäologie der Karl-Franzens-Universität Graz (Graz 1993)
RE I2 (1894) 1969-1976 s.v. Amphora (Wernicke)
E. Simon, Die Götter der Griechen (München 1969)

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