Inv. Nr.: D 17
Datierung: kurz vor 480 v. Chr.
Größe: 0,86 m
Original: parischer Marmor
Museumsstandort: Athen, Akropolis Museum

  • Kritios Vorderansicht
  • Kritios Seitenansicht
  • Kritios Detailansicht Kopf

Der sogenannte Kritios-Knabe erhielt seinen Namen von seinem Künstler Kritios, der in Zusammenarbeit mit Nesiotes die Tyrannenmördergruppe schuf, mit der diese Statue gewisse Ähnlichkeiten aufweist und aufgrund dessen so genannt wurde. Doch ob der Künstler Kritios wirklich diese Knabenstatue fertigte, ist fraglich. Die heutige Forschung ist eher gegenteiliger Meinung. Die Jünglingsstatue ist ein Werk, das kurz vor 480 v. Chr. geschaffen wurde und im sog. Perserschutt entdeckt wurde. Perserschutt deswegen, weil die Perser sich an den Athenern rächen wollten, die Stadt belagerten und eine Verwüstung von Athen und vor allem der Akropolis um 480 v. Chr. anrichteten. Die Statue zeigt in ihrem Stand mit linkem Stand- und rechtem vorgesetzten Spielbein eine deutliche Weiterentwicklung von den statischen archaischen Figuren. Die Unterarme sind leicht angehoben. Der Kopf ist geneigt, und der Blick des Knaben ist nicht auf den Betrachter bezogen. Die Augen waren ursprünglich eingesetzt und bestanden aus farbigen Materialien. Das Gesicht des Knaben weist ein eher rundliches Kinn und betonte Wangen auf. Hinsichtlich der Haargestaltung des Kritios-Knaben wäre zu sagen, dass er eine dermaßen außergewöhnliche Haardrapierung besitzt, dass man sie als Kritios-Knaben-Rolle bezeichnet. Erstmals wurde sie in den ersten beiden Jahrzehnten des 5. Jh. v. Chr. verwendet und ihre Ursprünge sind in der Spätarchaik zu finden. Um den Kopf des Knaben ist ein breites, gerundetes Haarband gelegt, um das konzentrische Strähnen "gewickelt" wurden, damit man eine Haarrolle erzielt, die den gesamten Kopf weit über dem Nacken umgibt. Zwischen den Haarsträhnen, ist jeweils eine Lücke, die den Reif sichtbar werden lässt. Neben der Haarrolle sind noch kurze flache Strähnchen vor den Ohren und jene gewellten am Nacken. Die Knabenstatue ist vielleicht nach dem Sieg bei den Panathenäen als Weihgeschenk auf die Akropolis gestiftet worden.

(S.R.)

Literatur

P. C. Bol, Der Strenge Stil der frühen Klassik. Stehende männliche Figuren, in: P. C. Bol (Hrsg.), Die Geschichte der antiken Bildhauerkunst II (Mainz 2004) 2f.
F. Gerke, Griechische Plastik. In archaischer und klassischer Zeit (Zürich-Berlin 1938) 42f.
R. Lullies, Griechische Plastik. Von den Anfängen bis zum Beginn der Römischen Kaiserzeit4(München 1979) 67
W. Martini, Die archaische Plastik der Griechen (Darmstadt 1990) 267-269

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